Daniel Schneuwly: Absichern gegen ungünstiges Wetter: Fallbeispiel Jungfraubahn Holding AG

Artikel-Nr.: 978-3-905814-41-5
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Management Summary

Bei vielen Unternehmen ist das Geschäftsergebnis massgeblich vom Wetter abhängig:
bei langen Dürre- und Hitzeperioden fallen z.B. in der Landwirtschaft die Erträge kleiner oder ganz aus. Wetterderivate sind relativ neue Finanzinstrumente, mit welchen sich Unternehmen gegen ungünstige Wetterbedingungen schützen können. Die Grundlage eines Wetterderivates ist ein meteorologischer Basiswert, wie z.B. die Lufttemperatur, gemessen an einer bestimmten Wetterstation. Der Payoff eines Wetterderivates hängt von der Entwicklung des Basiswertes ab. Die ersten Wetterderivate wurden im Jahre 1997 im US-Energiesektor gehandelt – Strom- und Gasversorger wollten sich gegen einen Rückgang in der Nachfrage für Heizenergie schützen, welche durch überdurchschnittlich warme Winter zu Stande kam. Seit dem ist der Markt für Wetterderivate stark gewachsen. Man unterscheidet zwei Arten von Wetterderivaten:

  • Standardisierte Wetterderivate. Diese werden vor allem an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gehandelt. Diese Derivate werden für die grossen Städte in den USA, Europa und Australien ausgestellt und sie beruhen meistens auf einem temperaturabhängigen Basiswert.
  • OTC: Over-the-counter Derivate. Diese Derivate werden genau auf die Bedürfnisse des Käufers angepasst und werden deshalb nicht an der Börse gehandelt. Als Basiswert kommen in Frage: Wind, Niederschlag, Sonnenscheindauer, Temperatur, Schnee etc.

In dieser Arbeit wird untersucht, ob und wie Wetterderivate für die Bergbahnbranche in der Schweiz gewinnbringend eingesetzt werden können. Dazu wird eine Fallstudie anhand der Jungfraubahn Holding AG (JBAG) durchgeführt – es werden drei Destinationen der JBAG untersucht:

  1. Harder-Kulm. Standseilbahn auf den Hausberg von Interlaken, die während des Sommers in Betrieb ist.
  2. Grindelwald-First: Skigebiet bei Grindelwald. Geöffnet von November bis April (hängt von den Schneeverhältnissen ab). First ist in den Sommermonaten als Erlebnisberg (Wandern, Biken usw.) geöffnet.
  3. Jungfraubahn, Top of Europe: Herzstück der JBAG. Standseilbahn auf das Jungfraujoch, dem höchstgelegenen Bahnhof Europas. Ist während des ganzen Jahres im Betrieb.

In einem ersten Schritt wird die Wetterabhängigkeit der JBAG genauer untersucht. Welche Wetterparameter haben den stärksten Einfluss auf den Ertrag? Dazu wird ein Auswahlverfahren entwickelt, welches auf den Korrelationskoeffizienten zwischen den Wetterparametern und den Zielparametern (in dem Fall die Anzahl Gäste) basiert. Im gesamten konnten 19 Wetterparameter bestimmt werden, welche einen starken Einfluss auf das Gastaufkommen aufweisen. Ein Wetterparameter besteht aus einer Wettermessung (z.B. Mittlere Windgeschwindigkeit) an einer bestimmten Wetterstation.

Von den 19 bestimmten Wetterparametern beruhen 11 auf der Sonnenscheindauer, je 3 auf dem Wind und der Temperatur und 2 auf dem Regen. Die Sonnenscheindauer hat demzufolge den stärksten Einfluss auf das Gastaufkommen in einer Tourismusdestination: Je sonniger das Wetter, umso mehr Gäste besuchen die Destination. Einen weniger ausgeprägten Einfluss auf das Gastaufkommen hat der Wind, die Temperatur und der Regen. Vor allem beim Regen erstaunt dies ein wenig – intuitiv hat man den Eindruck, dass der Regen einen sehr starken Einfluss haben sollte. Interessant ist auch, dass den untersuchten Schneeparametern (Neuschnee, Schneehöhe) nur ein schwacher Einfluss auf das Gastaufkommen nachgewiesen werden kann: gute Pistenverhältnisse hängen von vielen verschiedenen Faktoren und deren Zusammenspiel ab – man kann dies offensichtlich nicht direkt aus einzelnen Wetterparametern ableiten.
Das entwickelte Auswahlverfahren zur Bestimmung der Wetterabhängigkeit ist in python programmiert. Es hat sich im Einsatz bewährt und kann problemlos auch für andere Wetterabhängigkeitsanalysen eingesetzt werden (unter der Voraussetzung, dass genügend Daten zum Zielparameter vorhanden sind). In einem zweiten Schritt wird die Parametrisierung und Optimierung von Wetterderivaten angegangen. Für die im ersten Schritt bestimmten Wetterparameter soll nun das Wetterderivat optimal auf die Bedürfnisse des Käufers abgestimmt werden. Dazu müssen folgende Punkte des Derivates festgelegt werden:

  • Art des Wetterderivates (long-Call, long-Put)
  • Wetterindex (Wetterparameter und Bedingung)
  • Ausübungshürde, auch Strike genannt.
  • Payoff-Funktion

Anhand von Vorgaben (welcher Anteil des Risikos soll ausgelagert werden?) werden diese Werte mit einem Verfahren bestimmt, das vor allem auf der statistischen Analyse der Daten aus der Vergangenheit aufbaut (sogenannte Burn-Analyse). Oft werden die einzelnen Werte anhand von eingeführten Kennzahlen optimiert, zum Teil kommen Brute-Force-Algorithmen zum Einsatz. Jedes bestimmte Wetterderivat wird anhand von zwei Bewertungen eingestuft – man erkennt somit wie gut das Wetterderivat das Gastaufkommen wiedergibt. Die so bestimmten Wetterderivate werden dann anhand von Offerten von Anbietern für die Fallstudie der JBAG simuliert und die Resultate analysiert. Auch dieses Verfahren
wurde in python implementiert. Zusammenfassend stellt man fest:

  • Langfristig nimmt die Volatilität des Ertrages mit den Einsatz von Wetterderivaten ebenfalls ab.
  • Langfristig nimmt der durchschnittliche Ertrag mit dem Einsatz von Wetterderivaten ab.
  • Für die Fallstudie JBAG können die Wetterderivate bestimmt werden, die eine hohe Reduktion der Volatilität im Verhältnis zur Reduktion des Ertrages aufweisen. Dies sind für die JBAG die gewinnbringendsten Wetterderivate.
  • Beim Vergleich der Preise der Derivate mit dem entsprechenden Erwartungswert des Payoff (fairer Preis) stellt man fest, dass diese manchmal stark voneinander abweichen. Meistens liegt der Preis höher als der faire Preis, es gibt aber auch Fälle, bei denen es umgekehrt ist! Der faire Preis wird in dieser Arbeit mit einer Burn-Analyse berechnet, die alle vorhandenen Wetterparameter berücksichtigt. Offensichtlich setzt der Wetterderivateanbieter CelsiusPro1 bei gewissen Wetterparametern andere Berechnungsmethoden ein.

Man kann von Einsatz von Wetterderivaten keine Wunder erwarten – langfristig wird der Ertrag tendenziell abnehmen, gleichzeitig reduziert sich aber die Volatilität des Ertrags über die Jahre, was für viele Unternehmen sehr erstrebenswert ist. Wetterderivate sind grundsätzlich gut für den Einsatz in der Bergbahnbranche geeignet. Mit den in dieser Arbeit entwickelten Verfahren lassen sich die Wetterderivate optimal auf die Bedürfnisse der Käufer anpassen. Schlussendlich ist es eine Frage des Risikomanagements der Unternehmen, ob diese Wetterderivate eingesetzt werden sollen: ist man bereit für eine Reduktion der Volatilität des Ertrages auf einen Teil des Ertrages zu verzichten? 

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